Texte

Gedichte

das dunkel der scheunen

tief und feucht und kühl

der vorhof zu etwas anderem

zu ernsthafter arbeit zum schweigen zum geheimnis

immer aus dem halbdunkel.

hier stand eine tür offen

schattiges dämmriges eintreten oder nur hineindenken

heute an der straße an einem verregneten stürmischen tag

der seltsam warm im januar daherkam

zog diese offene scheune meine gedanken auf sich

der rissige lehmboden in der ecke

schemenhaft eine dreschmaschine

rechen an den wänden bindebänder auf der erde

durch spalte zwischen den brettern

traute sich kaum licht

ein tiefer rauer schatten der in der erinnerung wohnte

ein geruch von maschinenöl feuchtem holz geschnitzelten rüben

der nur hier existiert

das tor zu etwas anderem

dresden

gestanzt aus reflexen

scharfe konturen gegen das Leuchten

über dem flachen bogen der elbe

schmiegt sich canaletto ins gegenlicht

auf kuppeln und türmen spricht gold

widerschein des feuers einer nacht

hinter dunklem metall glüht spätes rot

abend legt intarsien in kontrast

rollt und windet sich der fluss

wie eine graue schuppige schlange

in weicher bewegung gegen den stein

schraffiert die wellen

im schatten der fundamente

kühl kommt herbst den fluss herauf

schneidet schwarze muster in weiden

maskiert abbruch und zerfall

silbergraue wirbel kräuseln gegen

bogen und stein und breit und macht

der könige von sachsen

sanft gleichen schatten

die rußfahnen des 13. februar aus

auf der brücke die kinder

rufen und winken

dem schiff

verführung

du

komm in der nacht zu mir

die haut

noch warm vom tag

hörst du

das weiße liliengestöhn

dein fuß darf nicht

der birke wurzelwerk

berühren

unten am weg

wachen die rosen

dich

werden sie stechen

für mich

verströmen sie blut

ich

warte dort am stein

komm überlass dich mir

nimm das gift

ich will dich führen

Sei mein stilles Weiß am Morgen

wach frisch und schön

Versprich mir eine moosige Lichtung

dazu handfeste Tage in die Faust gelacht

Einen Himbeerschlag an der Felswand, überraschend süß

Übe Nachsicht, keine biblische Rache, soll nur das Auge den Fisch

verfolgen im klaren Wasser, nicht fangen nicht morden

wirst mein Ankommen erwarten, achten, dass niemand mehr

die Karten vertauscht, das Licht wieder verdunkelt

Sei mein Anker im Vorwärts der Zeit, im Umblättern

der raschelnden Zeitung, hingeworfen in der Drehung

des Kopfes nach dem Telefon, den Fragen nach Befürchtetem

Sag mir, dass es weiter geht, obwohl ich nicht gewonnen habe

Du solltest mir bestätigen, ein Nicken reicht, ein entschlossener Atem

schöpfe ihn aus frühem Licht, nur für mich. Weiß und schön

leuchten deine Augen, strahlen aus

dem Schlagschatten vor der Haustür, der die Stufen hinab und hinauf

wandert, seine Gültigkeit mit dem Lauf der Sonne besiegelt

Halte den Zweifel von mir fern, verwische den Fußabdruck

im frischen Schnee, es wird keine Mühe machen

Sag es mir ohne Umschweife am Morgen, in die offene Hand

über die gebündelten Jahrestage hinweg, so öffne den Mund

Zusammen könnten wir es behaupten, sie werden es sicher anerkennen

dein weißes Schweigen als Einverständnis nehmen

Tagesgewinner

Wärmst mich mit unbändigem

Lachen, meinem Zögern geschmeichelt

Dein Mund und mein rascher Atem

schmelzen unsere Vorsicht ein

Meine Achselhöhlen sind Nistplätze

unserer Geheimnisse, verborgen

weiche Wölbung der Wünsche

An meiner Haut reißt du dein Feuer an

entriegeln wir unsere Sperrgebiete

Dieses Lachen, das aus dir herausbricht

spielt den Tag an die Wand

alle Gedichte sind veröffentlicht